Johannes-Glocke

Aus dem Erstguss der Glocke der Frauenkirche, 2002

Guss: Albrecht Bachert

Künstlerische Gestaltung: Christoph Feuerstein

Tonhöhe: e +2, Gewicht: 1220 kg, Material: Bronze, Durchmesser: 126 cm

Diese Glocke trägt den Namen Johannes des Täufers und sollte zusammen mit den Glocken Jeremia, Josua, David, Philippus und Hanna in einem der Türme der Frauenkirche in Dresden läuten. Da beim Erstguss dieser Glocke einer der 12 Teiltöne, aus denen sich der Klang einer Glocke zusammensetzt, zweimal auftrat, d.h. mit einer geringfügig anderen Frequenz, wurden diese Glocken mit höherem Gewicht und reduzierter Zier von der Glockengießerei Bachert neu gegossen. Von der Zier und den jubelnden Klängen schwärmen nun die Experten.

Der Künstler, Christoph Feuerstein, gab seine Einwilligung, diese Glocke ganz in der Nähe sozusagen in Hör- und Sichtweite ihrer gleichnamigen jüngeren Schwester unterzubringen. So freuen sich das Ballhaus Watzke und seine Mitarbeiter, dass sie jetzt hier im Watzke am Golden Reiter ganz aus der Nähe bestaunt und sogar angefasst werden kann.

 Der biblische Spruch „Bereitet dem Herrn den Weg“ (Matthäus 3,3) bezieht sich darauf, dass Johannes nicht müde wurde, auf das Kommen Jesu hinzuweisen. Damals wie heute bedarf es der Umkehr und Gewissenserforschung, wenn man Jesus begegnen will. Die Vorderseite zeigt entsprechend Johannes als, „Rufer in der Wüste“, welche der Künstler nun in eine moderne Großstadt verlegt hat. In ihr sieht man vereinsamte, gebückte oder innerlich gespaltene Menschen zwischen großen Häusern, die wie Mauern wirken. Dieser Eindruck wird verstärkt durch eine Schlange, welche die Stadt umgibt und sie schon fast vollständig eingefasst hat. Sie ist das Symbol des Bösen, das nicht nur von Außen kommt, sondern auch vom einzelnen Menschen wie auch von der Gesellschaft bewusst und unbewusst getan wird.

Hier wird letztlich auf eine Gesellschaft hingewiesen, die sich selbst genug ist und nicht mehr nach Gott fragt. Darin wird sie jedoch unehrlich. Folglich erklingt der Ruf der Verkündigungsglocke gerade in diese Welt hinein. Sie will uns an die immer größere und befreiende Dimension des Glaubens an Gott erinnern.

Die Rückseite zeigt die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. Im Wasser des Jordan-Flusses entdeckt man bei genauem Hinsehen ein Kreuz, dessen Linien sich in einem Totenkopf schneiden, um dann über das Bild hinauszuweisen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Christus selbst der Weg ist: hinaus aus der Einsamkeit und der Selbstgenügsamkeit unserer Zeit. Zugleich deuten diese Linien an, dass der Weg Jesu, der mit seiner Taufe im Jordan begann, zum Kreuz führen wird. Aber er endet dort nicht, sondern führt ins ewige Leben. Die Menschengruppe, die vom Rande her kommt, stellt die vielen dar, die einst zum Jordan kamen, um Johannes zu hören. Es sind aber auch wieder jene gemeint, die heute dem Ruf der Verkündungsglocke folgen.